Vom Tag der Deutschen Einheit zu einem volkswirtschaftlichen Kernthema: Wirtschaftswachstum und die Vorhersage der konjunkturellen Entwicklung

Ich hatte heute in der ersten Vorlesung eine Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zitiert, die anlässlich des Tags der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2021 veröffentlicht wurde: Corona-Krise wirkt sich auf die Wirtschaftsbranchen in Ost und West ähnlich aus, so ist die überschrieben. Es gibt Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Und immer wieder wird auf die seit nunmehr 30 Jahren fortbestehenden Unterschiede zwischen West und Ost hingewiesen, auch wenn sich zwischenzeitlich durchaus eine Menge angeglichen hat.

Wer sich darüber – aus Sicht der Bundesregierung – genauer und vor allem materialreicher informieren möchte, dem sei hier dieser Bericht empfohlen:

Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit (Juli 2021): »Der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Parlamentarischer Staatssekretär Marco Wanderwitz, betont: „In den letzten 30 Jahren ging es darum, die durch Teilung und Transformation bedingten Unterschiede zu verkleinern. Dafür hatten wir eine Regionalpolitik mit spezifischer Ausrichtung für die neuen Länder aufgelegt. Der Maßstab für die innere Einheit hat sich nunmehr verändert: weg von einer Perspektive des Auf- und Nachholens, hin zur gemeinsamen Gestaltung der Zukunft. Deshalb fördern wir seit 2020 nicht mehr nach Himmelsrichtung, sondern nach tatsächlichem Bedarf. Gleichwertige Lebensverhältnisse bleiben das übergeordnete Ziel, für das die Instrumente immer neu justiert werden müssen, überall in Deutschland. Die innere Einheit bleibt ebenfalls eine Daueraufgabe. Sie muss die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft bewältigen. Trotz der Einschnitte durch die Corona-Pandemie hat die Bundesregierung in der nun auslaufenden Legislaturperiode eine Vielzahl von Initiativen und Programmen zur Gestaltung der Strukturwandelprozesse und zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse auf den Weg gebracht.“«

In dem Bericht finden Sie auch zahlreiche Informationen und Daten zu Aspekten, die im Mittelpunkt der volkswirtschaftlichen Analyse stehen. Beispielsweise zum Wirtschaftswachstum, was bekanntlich gemessen wird an der Veränderung des realen, also preisbereinigten BIP. Genau dieser Maßstab spielt auch eine zentrale Rolle in einer der wichtigsten Zuliefererfunktionen der VWL für Betriebswirte: der Prognose der konjunkturellen Entwicklung.

Und man kann nur dann eine möglichst fundierte Prognose erstellen, wenn man die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt. Dass gegenwärtig alles vor dem Hintergrund der Corona-Krise zu bewerten ist, muss nicht weiter begründet werden.

Hier nun ein erster Arbeitsauftrag:

In diesen Tagen haben zahlreiche Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen die wirtschaftliche Entwicklung betreffend vorgelegt. Interessant sind hierbei die Verschiebungen, was die Größenordnung des angenommenen Wirtschaftswachstums angeht – und natürlich die Begründungen für die Veränderung der bisherigen Prognosewerte.

Aufgabe 1: Dazu muss man chronologisch vorgehen. Bitte schauen Sie sich die folgenden Veröffentlichungen an und machen Sie sich eine Tabelle mit den Werten das Wirtschaftswachstum für 2021 und für 2022 betreffend (in chronologischer Reihenfolge):

➔ Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Jahreswirtschaftsbericht 2021. Corona-Krise überwinden, wirtschaftliche Erholung unterstützen, Strukturen stärken (Februar 2021)

➔ Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Konjunkturprognose März 2021

➔ Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2021: Pandemie verzögert Aufschwung – Demografie bremst Wachstum (April 2021)

Jetzt kommen wir in den Bereich der aktuellen Prognosen:

➔ ifo Konjunkturprognose Herbst 2021: Lieferengpässe in der Industrie bremsen gesamtwirtschaftliche Erholung

➔ DIW: Deutsche Wirtschaft windet sich nur langsam aus der Pandemie: Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung im Herbst 2021

➔ IWH: Produktionsengpässe verzögern Erholung

➔ IfW Kiel: Deutsche Wirtschaft im Herbst 2021: Delle im Aufholprozess

➔ IMK: Engpässe bei Vorprodukten verzögern Erholung