Das Herbstgutachten 2021 ist da. Was sagen die Institute für das noch laufende Jahr und für 2022? Und was sagen sie zu den Folgen und den Umgang mit der Corona-Krise?

Ich hatte in der Veranstaltung bereits darauf hingewiesen, dass es immer wiederkehrende volkswirtschaftlich bedeutsame Informationsquellen gibt, wie dem Jahresgutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, umgangssprachlich auch als die „fünf Wirtschaftsweisen“ bezeichnet. Oder den jährlich veröffentlichten Frühjahrs- und Herbstgutachten eines Konsortiums von mehreren Wirtschaftsforschungsinstituten, die von der Bundesregierung beauftragt werden, diese Gutachten einschließlich einer Prognose der weiteren Entwicklung vorzulegen.

Nun ist diese Tage das Herbstgutachten 2021 veröffentlicht worden:

➔ Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (2021): Krise wird allmählich überwunden – Handeln an geringerem Wachstum ausrichten. Gemeinschaftsdiagnose #2-2021, Halle (Saale), Oktober 2021

Auf der Seite der Gemeinschaftsdiagnose findet man diese geraffte Zusammenfassung:

»Die 143. Gemeinschaftsdiagnose mit dem Titel

Krise wird allmählich überwunden – Handeln an geringerem Wachstum ausrichten

enthält eine detaillierte Kurzfristprognose bis zum Jahr 2023 sowie eine mittelfristige Projektion der Wirtschaftsentwicklung bis zum Jahr 2026. Das Schwerpunktthema behandelt die Rückführung der Schuldenstandsquote nach der Finanzkrise und Implikationen für die Post-Corona-Finanzpolitik. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist nach wie vor von der Corona-Pandemie gekennzeichnet. Nachdem neue Infektionswellen die Erholung im Winterhalbjahr 2020/2021 verzögert hatten, steigt das Bruttoinlandsprodukt seit dem Abebben des Infektionsgeschehens im Frühjahr nun wieder deutlich. Allerdings behindern im Verarbeitenden Gewerbe Lieferengpässe bei Vorprodukten die Produktion, sodass bislang nur die konsumnahen Dienstleistungsbranchen zulegen. Im Winterhalbjahr dürfte die Erholung weiterhingebremst werden. So ist davon auszugehen, dass in der kalten Jahreszeit das Infektionsgeschehen zumindest nicht komplett verschwinden wird und damit die Aktivität im Dienstleistungsgewerbe unter dem sonst üblichen Niveau bleiben wird. Zudem werden die Lieferengpässe die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe vorerst weiter belasten. Im kommenden Jahr werden sich die Beeinträchtigungen durch Pandemie und Lieferengpässe annahmegemäß nach und nach auflösen, sodass die Normalauslastung wieder erreicht wird. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2021 um 2,4%, im Jahr 2022 um 4,8% und im Jahr 2023 um 1,9% zulegen. Die Institute rechnen mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 3% im laufenden Jahr, um 2,5% im Jahr 2022 und um 1,7% im Jahr 2023. Das Defizit der öffentlichen Haushalte dürfte von 4,9% in Relation zum Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr auf 2,1% und 0,9% in den
beiden Folgejahren zurückgehen. Angesichts der kräftigen Zunahme des nominalen Bruttoinlandsprodukts wird die öffentliche Schuldenstandsquote wohl von 71% im Jahr 2021 auf 67% im Jahr 2022 und 65% im Jahr 2023 abnehmen. Zwar dürften die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise mit der Rückkehr zur Normalauslastung allmählich überwunden werden, aber die Herausforderungen des Klimawandels und das demografisch bedingt absehbar niedrigere Wirtschaftswachstum führen zu geringeren Konsummöglichkeiten.«

Natürlich gibt es auch im Herbstgutachten 2021 eine Prognose für das laufende sowie das kommende Jahr und 2023. Die finden Sie auf der Seite 41 des Gutachtens:

➔ Vor dem Hintergrund unseres Schwerpunktthemas Ökonomie der Corona-Krise interessiert natürlich vor allem die Frage, wie die Wirtschaftsforschungsinstitute die Auswirkungen der Corona-Krise auf die deutsche Volkswirtschaft (und darüber hinaus) einschätzen bzw. einordnen. Das finden Sie im ersten Teil des Gutachtens. Vergleichen Sie das bitte mit den Ihnen bislang bekannten Einordnungen der Corona-Krise hinsichtlich ihrer ökonomischen Charakteristik. Werden diese geteilt oder gibt es neue Aspekte?

➔ In den Kapiteln 4 und 5 finden Sie die wirtschaftspolitischen Empfehlungen der Institute an die Bundesregierung. Bereits der erste Punkte passt zu unserem Thema: „Corona-Politik auslaufen lassen“. Bitte schauen Sie sich diesen Teil des Gutachtens vor dem Hintergrund unseres Themas einmal genauer an.