Was es mit dieser „KI“ auf sich hat. Wie immer im Leben gibt es solche und andere Seiten. Einige praktische Beispiele zum Thema Künstliche Intelligenz und was das auch mit BWLern zu tun hat

Im Dezember 2019 veröffentlichte Gerhard Weiß, Professor für Informatik und Künstliche Intelligenz an der Universität Maastricht (Niederlande), diesen Artikel in der FAZ: KI ist kein Wundermittel – hilft aber. Darin führt er am Anfang aus, dass man nicht unterschätzen sollte, wie sehr das generell in der Gesellschaft vorherrschende Verständnis von KI als Wissenschafts- und Ingenieursdisziplin von unsachlicher, Aufmerksamkeit heischender Berichterstattung – von „KI rettet die Welt“ bis „KI ist das Ende der Menschheit“ – und Science- Fiction-Filmen („Terminator“, „Matrix“) beeinflusst ist.

Nun sind wir schon mittendrin in unserem Schwerpunktthema der (möglichen) Auswirkungen der Digitalisierung, Roboterisierung usw. auf den Arbeitsmarkt. Aber dem einen oder anderen fehlen dabei sicher angesichts des hohen Abstraktionsgrades Hinweise, was man sich so praktisch vorstellen kann und muss unter dieser „KI“.1

➔ Beginnen wir mit einem positiven Beispiel aus der Welt der KI: »Weil er seine Mutter nicht verstehen konnte, entwickelte Bonaventure Dossou ein selbstlernendes Übersetzungsprogramm.« Mehr dazu in diesem Artikel: Wie ein Bremer Student mit KI eine Übersetzungssoftware entwickelte. Der Beitrag zeigt die Potenziale auf, die in der Anwendung von KI liegen: »Wer Englisch, Französisch oder Russisch nicht versteht, kann zwischen verschiedenen Übersetzungsprogrammen auswählen, die Abhilfe schaffen. Für viele afrikanische Sprachen gilt das jedoch nicht. Das musste auch Bonaventure Dossou feststellen, der an der Bremer Jacobs University den Master-Studiengang „Data Engineering“ studiert. Weil er Probleme hatte, die Sprache seiner Mutter zu verstehen, entwickelte der 23-Jährige kurzerhand selbst eine Übersetzungssoftware mit künstlicher Intelligenz.«

➔ Aber man muss auch immer kritisch auf Entwicklungen schauen, bei denen man erkennt, dass es zu diskussionsbedürftigen Ausformungen aufgrund der KI-Strukturen und -Prozesse kommt, wo es also um Anpassungen an einen KI-EInsatz in der Praxis kommt, der wiederum diese möglicherweise fragwürdige Praxis verfestigt und beschleunigt. Neben diesen kryptischen Andeutungen soll es auch hierfür ein aktuelles Beispiel geben: Ein Wettrüsten der börsennotierten Unternehmen, so ist ein Beitrag aus dem vergangenen Jahr überschrieben: Dort werden die Quartalsberichte der börsennotierten Unternehmen kritisch thematisiert: »Seit 1970 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA alle drei Monate aktuelle Zahlen veröffentlichen. Ein Aufwand, der bis zu 100.000 US-Dollar kosten und vier Tage per Quartal dauern kann … Laut Credit Suisse hat sich die Zahl der börsennotierten Unternehmen in den USA zwischen 1996 und 2016 halbiert, weil immer mehr Top-Manager die strenge Informationspflicht vermeiden wollen. Sie können sich ihr Kapital auch anderswo holen – etwa bei Beteiligungsgesellschaften, die ihre Zukunftsprojekte finanzieren wollen. Und an der Börse notierte Unternehmen wie der Getränkehersteller PepsiCo und der Konsumgüterkonzern Unilever warnen: Sie müssten sich zu sehr auf kurzfristige Gewinne konzentrieren. Das lasse zu wenig Zeit für langfristige Pläne.« Und weitere Folgen lassen sich beobachten: »Bezeichnend ist auch, dass immer mehr US-Unternehmen den Gewinn durch den Rückkauf ihrer eigenen Wertpapiere im großen Stil erhöhen. Weil diese Papiere in den meisten Fällen von den Unternehmen vernichtet werden, sinkt die Anzahl der an der Börse gehandelten Aktien. Dadurch steigt der Gewinn je Anteil – ein wichtiges finanzielles Ziel, das die Profitabilität einer Firma zeigen soll. Laut Harvard Business Review gaben Großunternehmen zwischen 2003 und 2012 mehr als die Hälfte ihres Gewinns für Aktienrückkäufe aus. Da bleibt nicht viel übrig für langfristige Investitionen in das operative Geschäft.«
Und was hat das jetzt mit Künstlicher Intelligenz zu tun? Wir lesen weiter und stoßen auf diesen relevanten Passus: »Die Tricksereien der Unternehmen versteht man besser, wenn man weiß: Hedge Fonds durchforsten die Quartalsberichte mit Computerprogrammen, sobald sie bei der US-Börsenaufsicht gespeichert sind. David Zaring, ein Juraprofessor an der Universität von Pennsylvania, erklärt, dass Finanzfirmen viel Geld in Computerprogramme investierten, die die Berichte in Millisekunden analysierten. Daraus generierten sie Handlungsaufträge.«
Nach neueren Berichten hat das u.a. die Folge, dass die Quartalsberichte nun ihrerseits von Algorithmen verfasst werden, die die Sprache der Berichte so anpassen, dass sie von anderen Algorithmen besser verstanden und verarbeitet werden können.

➔ Und um die Ebene konkret Beispiele wieder mit unserem großen Thema „Auswirkungen auf der Arbeitsmarkt“ zu verbinden, hier ein dritter Hinweis: »Algorithmen nehmen uns immer mehr Aufgaben ab. Drei Beispiele aus Handel, Pflege und Service, die zeigen, wie KI unseren Arbeitsalltag wandeln könnte«, so der Artikel Wie Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändern wird, der bereits im November 2018 veröffentlicht worden ist. Darin finden wir, neben den konkreten Beispielen, auch diesen Hinweis: »Forscher unterscheiden zwischen „schwacher“ und „starker“ KI. Eine schwache KI kann so trainiert werden, dass sie ganz spezielle Aufgaben besser erledigt als ein Mensch. Vor allem hier sind die Fortschritte immens. Eine „starke KI“, die mit den allgemeinen, intellektuellen Fähigkeiten des Menschen vergleichbar wäre, ist dagegen nicht in Sicht.« 

Die vielgestaltige Künstliche Intelligenz – eine kleine mehrstimmige Auswahl für die Ohren über KI in Bereichen, an die man zuletzt gedacht hätte bei diesem Thema

Wir haben uns nun schon diesem Megabegriff der KI aus mehreren Perspektiven genähert. Überall taucht sie heute auf, die Künstliche Intelligenz. Und tatsächlich ist es erstaunlich, wo sie überall nicht nur erwähnt, sondern mehr oder weniger auch zum Einsatz kommt. 

Ich habe Ihnen aus einer im vergangenen Jahr ausgestrahlten Reihe an kurzen Beiträgen des Deutschlandfunks aus der Sendung „Campus und Karriere“ eine kurze Auswahl an Podcasts zusammengestellt, bei denen man mal nicht unzählige Seiten Text lesen muss, sondern was direkt auf die Ohren bekommt:

➔ KI und Informatik: Schaffen Informatiker ihre eigenen Berufe ab? (18.06.2021)

➔ KI in der Landwirtschaft – Autonome Robotik fürs Feld (17.06.2021)

➔ KI in kreativen Berufen: so nimmt sie Einfluss auf Theater, Musik und Kunst (16.06.2021)

➔ KI in der Psychotherapie (15.06.2021)

➔ KI im Schulunterricht: Vorbehaltlose Vermessung der Schüler? (15.06.2021)

➔ Realität statt Science Fiction: Künstliche Intelligenz in der Berufsschule (14.06.2021)

➔ KI ist im Handwerk nur bedingt sinnvoll (14.06.2021)

Zu den letzten beiden Beiträgen über KI und Handwerk vgl. auch diesen Artikel: Für das Handwerk bleiben echte Menschen unentbehrlich (14.06.2021): »Auch wenn KI unter Handwerkern noch nicht weit verbreitet ist, müssen sich Auszubildende und Berufsschulen auf die neuen Anforderungen einstellen. Und dennoch: Dass Maschinen und Algorithmen irgendwann echte Handwerker vollständig ersetzen könnten, ist zumindest momentan nur schwer vorstellbar.«

Überall diese Digitalisierung – auch dort, wo man sie vielleicht nicht vermuten würde. Und den BWLern soll es an den weißen Kragen gehen

„Digitalisierung – das ist ein Wort, das zunehmend den Charakter eines „Catch all“-Begriffs angenommen hat.

Dabei haben wir den Blick vor allem darauf gerichtet, was die (möglichen) Arbeitsmarkteffekte sein können. Dabei kommen die bislang vorliegenden Studien zu sehr unterschiedlichen und teilweise gegensätzlichen Einschätzungen. Aber dennoch sollten die Beispiele von Branchen, in denen die Digitalisierung Einzug hält und die Sie bereits in der Veranstaltung kennengelernt haben, bei jedem einen Eindruck verfestigen: wir stehen am Beginn einer umfassenden Umwälzung der Art und Weise des Arbeitens. Wieder einmal, denn solche Umbrüche sind nun keineswegs eine neue Erscheinung in der Wirtschaftsgeschichte, sondern eher der Normalfall. 

Nun wird bei der Debatte über die Arbeitsmarktauswirkungen immer wieder gerne hervorgehoben, dass es vor allem die unteren Qualifikationsstufen treffen wird und/oder die mittlere Ebene, also vor allem die vielen Facharbeiter in der Industrie, während die hochqualifizierten Tätigkeiten auf der „Gewinner-Seite“ stehen (sollen). Aber selbst denen, die sich auf der sicheren Seite wähnen, soll es an den weißen Kragen gehen.

Dazu ein Beispiel, dass die Kernbereiche der Betriebswirtschaftslehre betrifft: KI rückt den BWLern auf die Pelle, so hat Jan Goldner seinen Artikel überschrieben. »In der Produktion haben Roboter längst schon Menschen ersetzt. Das gleiche Schicksal droht Büroarbeitern durch Künstliche Intelligenz – sogar in der Steuerberatung ist die schneller, besser – und günstiger.« Da müssen wir etwas genauer hinschauen:

Wieso gerade Steuerberatung (die ja in einem Land wie Deutschland überaus wichtig ist, wenn man bedenkt, dass angeblich zwei Drittel der weltweiten Steuerliteratur aus Deutschland kommen soll)? Experten der Steuerberatungsgesellschaft WTS aus München haben in engem Kontakt mit Wissenschaftlern am Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) die Frage behandelt, was man über den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Steuerberatung sagen kann. Das Fazit aus der Zusammenarbeit: Künstliche Intelligenz wird die Arbeit derer revolutionieren, die sich beruflich mit Unternehmenssteuern befassen.

Die Gründe dafür: “Das Feld ist deutlich abgegrenzt, bietet eine klare Nomenklatur und große, unstrukturierte Datenmengen. Computerhirne seien für deren Analyse besser geeignet als menschliche. Der eine oder andere wird mit dem Kopf schütteln, wenn man die Steuerberatung aufruft. Sind nicht die Einstiegshürden für angehende Berater vergleichsweise hoch, das nötige Wissen komplex? Dass das nicht schützen muss, verdeutlichen diese Beispiele: »So könnten Computer bald Steuerunterlagen vom Deutschen ins Englische übersetzen oder einschlägige Gerichtsurteile und Kommentare zusammenfassen, um Prognosen über zukünftige juristische Entscheidungen zu treffen. Auch als Frage-und- Antwort-Automat für weniger komplexe Fragen aus den Steuerabteilungen von Unternehmen sei KI geeignet oder dafür, darauf zu achten, dass Unternehmen beim Außenhandel die Einsparmöglichkeiten nutzen, die ihnen durch Freihandelsabkommen zur Verfügung stehen, die sie aber selten im Detail kennen.« Und betroffen sein werden erst einmal bestimmte Jobs: »Für die menschlichen Arbeitskräfte … sei deshalb eine unsichere Zukunft denkbar: Einfache Tätigkeiten, die heute oft in so genannten “shared service centern”, etwa in Rumänien oder Ungarn, ausgelagert seien, könnten bald von Computern erledigt werden.« Und in dem Artikel taucht auch ein Ratschlag auf für die, die an Bord bleiben wollen: »Diejenigen, die den Wandel überstehen wollten, bräuchten vor allem Fähigkeiten in der Beratung und in der Bewertung der Lösungen, die die KI vorschlägt.«

Die so genannte “white collar automation”, also das computer-bedingte Wegrationalisieren von Bürojobs, ist also kein Hirngespinst. Und auch aus den Konzernzentralen selbst wird die beunruhigende Feststellung, dass es auch die Büro- und Wissensarbeiter treffen könnte, befeuert: »Da wären etwa die Aussagen des Volkswagen-CIO Martin Hofmann, der viele Teile der Arbeiten, die einst vor allem von Betriebswirten gemacht wurden, zum Beispiel Controlling oder Pricing, in den digitalen Synapsen von künstlicher Intelligenz besser aufgehoben sieht. Oder John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, der kürzlich auf einer Tagung viele seiner Angestellten mit Robotern verglich und damit deren Ersetzbarkeit implizierte.«

Und wenn wir schon bei dem Thema hochqualifizierte Arbeitskräfte sind und deren mögliche Verletzbarkeit, dann ein weiteres Beispiel. Eine Berufsgruppe, die jeder von Ihnen kennt: die ÄrzteWenn der Arzt eine Maschine ist, so hat Richard Friebe seinen Artikel überschrieben: »Mediziner präsentieren den „KI-Doktor“. Künstliche Intelligenz kann inzwischen manches besser als Ärzte. Selbst diese zu ersetzen, scheint teilweise möglich«, so seine These.

»Der Mitgründer von Microsoft, Paul Allen, steckte erst vor wenigen Monaten 125 Millionen Dollar in ein Projekt, das er „Alexandria“ nannte. Sein Ziel sei, Künstlicher Intelligenz (kurz KI) „gewöhnlichen gesunden Menschenverstand“ beizubringen. Wenn das gelinge, so Allen im Februar, sei es möglich, das Potenzial von KI optimal in „Forschung, Wirtschaft und Medizin freizusetzen“. Allen gab jahrzehntelang Multimillionen für verschiedene, teils von Öffentlichkeit und Experten auch als abseitig wahrgenommene Projekte aus. Ein Fokus aber lag immer auf der Medizin – auch, weil er selbst 1982 an einem Tumor des Lymphsystems erkrankt war. Als Informatiker glaubte er daran, dass Algorithmen bei Diagnose und Therapie verschiedenster Leiden eine wichtige Rolle spielen könnten.
Am vergangenen Montag starb Allen an einem septischen Schock, Folge einer sein Immunsystem unterdrückenden Behandlung. Die musste er wegen eines 2009 neu diagnostizierten, anderen Tumors über sich ergehen lassen. Sepsis – eine massive bakterielle Infektion aufgrund eines geschwächten Immunsystems oder auch wegen antibiotikaresistenter Bakterien – ist die wahrscheinlich häufigste Todesursache weltweit in Krankenhäusern. Die Ironie ist offensichtlich, wenn eine Woche später in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ ein Artikel über den „KI-Kliniker“ erscheint, der ein Computerprogramm ist und „optimale Behandlungsstrategien bei Sepsis“ errechnen und dem Arzt vorschlagen kann. Die Software, um die es geht, arbeitet nicht mit gesundem Menschenverstand, sondern integriert nur jede Menge Daten und lernt aus ihnen.«

Es geht hier um das eher neue Gebiet des „maschinellen Lernens“ in der Medizin. Der Ansatz ist, Algorithmen auf die Fähigkeiten echter Ärzte und deren mehr oder weniger richtige Therapie-Entscheidungen loszulassen.

Die wohl wichtigste und emotionalste Frage zumindest im westlichen Kulturkreis lautet, ob KI bald Ärzte wird ersetzen können und dürfen. Die Antwort darauf hat auch eine ökonomische Dimension, wie man an den folgenden Ausführungen erkennen kann: »Das vehemente „Nein“, das hier bisher fast immer als Antwort kam, wandelt sich mittlerweile schon zu einem „Hie und da durchaus“. Der Medizintechnik-Ingenieur Walter Karlen von der ETH Zürich etwa sagt, solche Systeme hätten in Schwellenländern große Chancen, sich durchzusetzen „wo die nötige Infrastruktur gerade am Entstehen ist, aber wo die medizinischen Fachkräfte großflächig fehlen“. Beim Blick in die entsprechenden Datenbanken für Fachliteratur scheint ein überproportionaler Anteil der neueren wissenschaftlichen Veröffentlichungen auch aus solchen Ländern zu kommen.«

Aber keine Angst (oder überbordende Hoffnung, je nachdem, wie Sie gestrickt sind): der Roboter-Doc, der Ihnen demnächst die Bescheinigung ausstellt, dass Sie nervenbedingt nicht an der VWL-Klausur von mir teilnehmen können, steht noch nicht vor der Tür und wird wenn überhaupt noch lange auf sich warten lassen.

Und wenn wir schon bei den Akademikern sind, bleiben wir noch einen Moment bei einer ganz besonderen Spezies unter ihnen: Rechtsanwälte. Und mit Blick auf diese Berufsgruppe kann man aus der wirklichen Wirklichkeit berichten:

»Immer mehr Online-Portale helfen Verbrauchern, ihre Ansprüche gegenüber Fluglinien, der Bahn oder Vermietern durchzusetzen – den Rechtsanwaltskammern passt das gar nicht«, so Helena Hauser in ihrem Artikel Online-Portale machen Anwälten Konkurrenz. Um die Ausdifferenzierung dieses neuen Geschäftsmodells zu verstehen, muss man sich die folgende Ausgangsproblematik verdeutlichen:

»Was hat ein Verbraucher nicht alles für Rechte: Geld zurück bei einer Verspätung von Flugzeug oder Bahn, eine angemessene Abfindung im Falle einer Kündigung des Jobs oder das Recht auf Mieten, die höchstens zehn Prozent über den ortsüblichen Vergleichswerten liegen. Solche Ansprüche auf etwaige Ausgleichszahlungen, Entschädigungen oder Mietsenkungen stehen vielen Verbrauchern zu, zumindest theoretisch.
Das Problem dabei ist die praktische Umsetzung. In vielen Fällen müsste ein Anwalt hinzugezogen werde, um die Forderungen durchzusetzen. Das bedeutet für die Betroffenen ein Kostenrisiko. Und auch wenn der Anspruch theoretisch vom Verbraucher selbst durchgesetzt werden kann, scheuen doch die meisten den Aufwand und die oft komplexen Formalitäten. Das hat zur Folge, dass viele Menschen ihre Rechte erst gar nicht einfordern.«

Das zu lösende Optimierungsproblem besteht also darin, auch ohne Anwalt, ohne Aufwand und ohne finanzielles Risiko mögliche Ansprüche durchsetzen zu können. Und für Lösung dieser Aufgabenstellung bieten sich nun sogenannte Legal-Tech-Unternehmen über ihre Online-Plattformen an: »Ein paar Eingaben über die Webseite, ein paar Klicks – und Start-ups wie Flightright, myRight oder Wenigermiete.de übernehmen Beschwerden und Klagen gegen Vermieter, die Bahn oder eine Fluggesellschaft. Die Dienste der Legal-Tech-Unternehmen in Anspruch zu nehmen, kostet erst einmal nichts. Wenn das Unternehmen Erfolg hat und dem Kunden ein Anspruch zusteht, zahlt dieser dem Anbieter eine Provision.« Gut für den Verbraucher, gut für den Anbieter. Aber da gibt es noch jemand, dem das gar nicht gefällt. Karl, wer hier gemeint ist: Für klassische Anwälte kann die digitale Durchsetzung von Rechten zur Konkurrenz werden.

Dazu wird in dem Artikel ein interessantes Fallbeispiel vorgestellt: Es geht
um Online-Dienste wie wenigermiete.de. Zu deren Geschäftsmodell erfahren wir: »Wenigermiete.de bietet auf seiner Plattform unter anderem an, für Verbraucher Ansprüche nach der sogenannten Mietpreisbremse durchzusetzen. Mit einem Online-Fragebogen können Mieter auf der Seite ausrechnen lassen, wie viel Miete sie zu viel überweisen. Die Daten des Mieters werden mit dem örtlichen Preisspiegel abgeglichen. Zahlt der Mieter über zehn Prozent der Vergleichsmiete mehr, hat er die Möglichkeit, Wenigermiete.de zu beauftragen, seine Ansprüche gegenüber dem Wohnungseigentümer durchzusetzen. Und das Konzept funktioniert offenbar: „Wir sind in den meisten der Fälle erfolgreich“, sagt Daniel Halmer, Mitgründer von Mietright.«

Und dann das: »Gegen das Modell der Mietright GmbH, die hinter der Plattform Wenigermiete.de steht, geht zum Beispiel die Berliner Rechtsanwaltskammer, ein Zusammenschluss örtlicher Juristen, vor. Die Kammer hat am Landgericht Berlin Klage gegen das Mietrechts-Start-up und sein Geschäftsmodell erhoben … Die Rechtsanwaltskammer Berlin hat … Anfang 2018 vor dem Landgericht Berlin Unterlassungsklage gegen Mietright erhoben. Der Vorwurf: Mietright verstoße mit seinem Angebot gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz. Demnach sind außergerichtliche Rechtsdienstleistungen grundsätzlich verboten, außer es liegt eine ausdrückliche Erlaubnis vor. Eine solche Erlaubnis ist etwa die für Inkassodienstleistungen. Mietright hat eine Inkassoerlaubnis, darf also für Dritte Forderungen einziehen. Gestritten wird jetzt unter anderem darüber, ob die Tätigkeit von Mietright von der Inkassoerlaubnis gedeckt ist oder nicht. Ein Problem sieht die Kammer auch darin, dass Mietright nicht an die anwaltlichen Regeln gebunden ist. So müsse sich das Unternehmen etwa nicht an die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht halten und dürfe, anders als Anwälte, ein Erfolgshonorar einstreichen. Dahinter steht auch der Vorwurf, dass eine fundierte juristische Beratung durch die Dienste von Wenigermiete.de ersetzt wird. „Die Rechtsanwaltskammer will, dass auch im Mietrecht für die Beratung hohe Standards gelten, die Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte bieten“, schreibt der Geschäftsführer der Kammer Berlin, Benno Schick, auf der Webseite der berufständischen Organisation … Die Kammer ist bereits gegen andere, kleinere Mietrechts-Start-ups, darunter Mietwaechter.de und Mietbuddy.de, vorgegangen. Mit Erfolg: Alle gaben eine Unterlassungserklärung ab. Die Kammern des Landgerichts Berlin, die sich mit Wenigermiete.de beschäftigen mussten, sind sich uneinig, ob das Angebot des Start-ups rechtens ist oder nicht. Gegen ein Urteil des Landgerichts Berlin hat Mietright Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt. Mittlerweile ist auch der Bundesgerichtshof mit dem Fall Wenigermiete.de befasst. Die anstehende Entscheidung wird nicht nur für Mietright wichtig sein. Portale wie Flightright arbeiten ähnlich.«

Und ein weiteres Fallbeispiel, diesmal aus der Welt der Logistik, soll hier dargestellt werden: »Jeden Tag verstopfen 500.000 Lastwagen die deutschen Autobahnen. Das Unternehmen Cargonexx will das ändern – und setzt dafür auf schlaue Computerprogramme«, kann man diesem Artikel entnehmen: Dieses Start-up ist viel erfolgreicher, als sein Gründer dachte. Der Gründer und Vorstandschef von Cargonexx, Rolf-Dieter Lafrenz, wollte eigentlich nur Fracht besser verteilen. Der hohe Anteil an Leerfahrten von Lastwagen auf Deutschlands Straßen sollte sinken. Nebenbei wollte Lafrenz eine konservative Branche durch intelligente Vernetzung etwas aufmischen. Die Idee, als Online-Spediteur mit Künstlicher Intelligenz eine digitale Plattform anzubieten, hatte durchschlagenden Erfolg – mit der Folge, dass der ursprüngliche Ansatz schon wieder grundlegend verändert wurde:

»Anstatt nur Vermittler zu sein, baut Cargonexx nun eine eigene Flotte von Lastwagen mit Auftragsfahrern auf. Statt Angeboten für kleine und mittlere Spediteure sind plötzlich große Einzelhandelskonzerne, Automobilhersteller und – zulieferer oder Industrieunternehmen Partner. Und wesentlich früher als geplant, baut zieht es Cargonexx ins Ausland. Dabei hat das 2015 gegründete Hamburger Unternehmen erst Anfang 2017 den kommerziellen Betrieb aufgenommen. Dass es so rasant wächst und vom Erfolg seiner Idee überholt wird, hat nicht einmal Lafrenz erwartet. Es zwingt ihn zur Korrektur des Konzeptes und zur Einführung von Geschäftsmodellen, die erst nach der Startphase vorgesehen waren.«

Das könnte den einen oder anderen von Ihnen an das Flixbus-Modell erinnern. Genau so arbeitet dieses Unternehmen auch. Flixbus selbst hat keinen einzigen Bus. Die holt man sich von Subunternehmen, die im Auftrag von Flixbus fahren.

„Wir haben immer mehr Fahrzeuge, die exklusiv für uns arbeiten.“ Lafrenz und seine mehr als 40 Mitarbeiter stellen Touren zusammen nach dem „Flixbus- Prinzip“: Angeheuerte Lastwagen übernehmen im Liniendienst die Transporte.

Nochmals zur Erinnerung: Am Anfang des neuen Unternehmens stand diese Idee: Eine digitale Plattform vermittelt freie Frachtkapazitäten. Und dieser Ansatz muss – gerade volkswirtschaftlich relevant – vor dem Hintergrund dieser Tatsachen gesehen werden: »Am Tag verstopfen mehr als eine halbe Millionen Lastwagen die Autobahnen. Laut Kraftfahrtbundesamt sind 36 Prozent der Touren Leerfahrten; meistens handelt es sich Rückfahrten. Bei geschätzten 30 Milliarden gefahrenen Kilometern auf mautpflichtigen Straßen für das Jahr 2017 fahren die Fahrzeuge fast 11 Milliarden Kilometer nutzlos herum, verursachen Staus und belasten die Umwelt.«

»Anders als die üblichen, auch im Internet betriebenen Frachtbörsen, organisiert das Hamburger Unternehmen den Transport selbst, ist also kein Agent. Das Start- up übernimmt die Haftung und verpflichtet sich zum Transport. Eingestellte Fracht wird in Sekundenschnelle zu aktuellen Bedingungen und sich ständig verändernden Preisen vermittelt.«

Und was hat das mit Künstlicher Intelligenz zu tun? »Die entwickelte Software setzt Künstliche Intelligenz ein – bislang in der Logistikbranche ein Fremdwort … Weit mehr als 400 Parameter gehen als Determinanten in des System ein. Neben Jahreszeit, Wochentag, Wetter- und Verkehrsdaten bilden Transportdaten nur das Fundament. Herausfordernd sind Analysen von sich ständig ändernden Umständen wie Baustellen, Betriebsferien in der Autoproduktion, Schulferien oder Feiertage mit entsprechend hohem Verkehrsaufkommen, aber auch Leistungen eines etwa unzuverlässigen Fuhrunternehmers. Solche Faktoren werden normalerweise von Disponenten der Speditionen bearbeitet. Das erledigt die Cargonexx-Software in Sekundenschnelle. Aus jedem Vorgang und jeder vermittelten Tour lernt der Algorithmus hinzu. Das Einzugsgebiet ist dabei ganz Deutschland, zunehmend auch Europa. Der Disponent eines Spediteurs ist in der Regel für eine Region zuständig und hat so nur einen räumlich begrenzten Überblick.«

Es sollte deutlich geworden sein, dass die Digitalisierung für die Logistik-Branche einer der ganz zentralen Herausforderungen ist, auf der anderen Seite sollte man aber auch eine gesunde Skepsis gegen allzu visionäre Vorhersagen an den Tag leben, wir haben das am Beispiel des „autonomen Fahrens“ beispielhaft gesehen, als wir uns in der Vorlesung mit der Branchenanalyse Logistik von Claus Zanker (2018) beschäftigt haben. 

Dabei gibt es hier offensichtlich einen enormen Bedarf, denn: »Die Logistik gilt als eine der am wenigsten digitalen Branchen. Das verwundert, schließlich beschäftigt sich die Branche pausenlos damit, wie man etwas am einfachsten und am schnellsten vermitteln kann.« So zumindest die These von Jacqueline Goebel in ihrem Artikel „Schiere Größe heißt noch nicht, dass man die Digitalisierung meistert“, der am 31. Juli 2018 publiziert wurde.

»Doch an den Grenzposten und Flughäfen braucht man auch heute noch Faxgeräte und Papier. Auch in der Unternehmens-IT sieht es selten modern aus. Die Systeme sind mit den Unternehmen gewachsen, häufig unkoordiniert und das seit Jahren.« Und weiter mit Blick auf den Ist-Zustand: »Heute funktioniert das Geschäft bei den vielen Speditionen meist noch so: Kunden suchen einen Transport für ihre Waren und melden sich dazu bei den zuständigen Mitarbeitern. Diese Disponenten checken Frachtraten von Reedereien oder Airlines, sie suchen LKW-Dienstleister zusammen und bauen eine Route. Manchmal vergehen bis zu 72 Stunden, bis der Kunde diese samt Kostenvorschlag erhält. Auch weil in manchen Unternehmen die Disponenten bislang lieber zu Listen als zu Programmen greifen. Eine Studie des Beratungsunternehmen Prolog unter Mittelständlern in Deutschland ergab, dass 70 Prozent der Unternehmen noch Transportanfragen via Telefon, Fax oder E-Mail erhalten. Nur jedes siebte Unternehmen nutze Frachtsoftware.«

Die Autorin verweist auf Änderungsversuche: »Start-ups wie Freighthub wollen die Logistikbranche von Faxgeräten weglocken und endlich digitalisieren. Doch daran arbeiten auch große Spieler wie Kühne und Nagel oder DHL.« Zu dem Unternehmen Freighthub erfahren wird:

»Seit etwa zwei Jahren bauen Ferry Heilemann und sein Bruder Fabian an Freighthub, „einer volldigitalen Spedition“. Die Brüder sind bekannt in der Start-up-Szene. 2009 gründeten die Heilemanns DailyDeal, eine deutsche Variante des US-Rabattportals Groupon. Keine drei Jahre später verkauften die beiden das Unternehmen an Google – für 114 Millionen Dollar. „Die nächste Firma, sollte eine nachhaltigeres Geschäftsmodell haben in einem großen Markt in dem man jahrzehntelang arbeiten kann“, sagt Ferry Heilemann. Die Brüder sahen sich um, analysierten Märkte und ihre eigenen Verbindungen. Sie entschieden sich – gemeinsam mit den Freighthub-Mitgründern Erik Muttersbach und Michael Wax – für die Logistik, mit der sicheren Erkenntnis: Sie hat es nötig.« 

Das wird nicht nur Auswirkungen haben auf die Berufsbilder in der Logistik. Das neue Unternehmen bewegt sich in einem Markt, der mehr als 300 Milliarden Euro schwer ist und in dem die Digitalisierung erst begonnen hat, kann man dem Artikel entnehmen. Wenn sich das so entwickeln sollte wie Flixbus …. Aber das wird man dann sehen.

Aber es nicht nicht nur die Logistik, in der eine Menge los ist rund um das Thema Digitalisierung. Ich hatte bereits auf eine Branche hingewiesen, die ganz weit vorne ist bei der Digitalisierung – und an die die wenigsten denken werden: die Landwirtschaft. Das wird jetzt den einen oder anderen mehr als verwundern. Die Landwirtschaft? Bauern als Vorreiter der Anwendung der Digitalisierung? Ist das ein Druckfehler? Dazu beispielsweise dieser Artikel aus der Süddeutschen Zeitung: 

➔ Landwirte im Datenrausch (13.09.2019): »Im Jahr 1950 hat ein Bauer in Deutschland gerade mal zehn Menschen ernährt, heute sind es 155. Doch hat die gesteigerte Produktivität ihren Preis: Die Böden sind vielerorts ausgelaugt, die Artenvielfalt schwindet. Die Klimakrise macht Dürren wie im vergangenen Sommer in Zukunft wahrscheinlicher. Und gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung weiter. Die Landwirtschaft steht also vor immensen Herausforderungen. Josef Bosch, Landwirt und Unternehmer südlich von Regensburg setzt darum auf die Digitalisierung der Landwirtschaft, auch „Smart Farming“ genannt.«

Und den Abschluss dieses Beitrags soll ein weiteres Branchen-Beispiel bilden, an das sicher auch die wenigstens denken im Zusammenhang mit Digitalisierung: »Auch in der handwerklichen Bäckerei wird auf die Digitalisierung gesetzt. Digitale Öfen, Apps und Algorithmen nehmen zeitaufwendige Arbeiten ab. Am Ende bleibt mehr Zeit für das eigentliche Backen«, so die sehr optimistisch daherkommende Botschaft dieses Radio-Beitrags: Wie passen Tradition und Digitalisierung zusammen? »Längst verkaufen nicht mehr nur die traditionellen Bäckereien Brot und Brötchen. Denn Großbetriebe backen mittlerweile für Supermärkte und Backstationen. Unter dem Preisdruck der Industriebäckereien leiden die Handwerksbetriebe. Laut dem Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks hat es letztes Jahr noch 11.347 kleine und mittelständische Betriebe gegeben. Im Jahr 2000 sind es fast doppelt so viele gewesen … Immer mehr traditionelle Handwerksbetriebe sehen die Digitalisierung deshalb als Chance. In nahezu allen Arbeitsbereichen spart die Digitalisierung zeitaufwendige Arbeiten. In den Backstuben übernehmen beispielsweise digitale Öfen nächtliche Arbeitsschritte. Am Ende bleibt so mehr Zeit für das eigentliche Handwerk. Das gilt auch für den Verkauf. Nicht nur per App lassen sich Brötchen mittlerweile vorbestellen. Damit die Kunden an der Ladentheke der Bäckerei nicht mehr anstehen müssen, werden Backwaren teilweise auch schon per Post versandt.«

Dann wären wir bei den Paketzustellern angekommen und da könnte man nun eine Menge zu schreiben. Aber lassen wir das für heute. Wir sehen wieder einmal – die Dinge hängen alle irgendwie miteinander zusammen.

1 Was muss man sich unter Künstlicher Intelligenz (KI; bzw. AI für Artificial Intelligence) vorstellen? Dazu ergänzend aus dem Lexikon der Neurowissenschaften: »Die künstliche Intelligenz … ist ein Teilgebiet der Informatik, welches sich mit der Erforschung von Mechanismen des intelligenten menschlichen Verhaltens befaßt (Intelligenz) … Der Begriff „künstliche Intelligenz“ wurde von dem amerikanischen Informatiker John McCarthy (*1927) erfunden. Er gebrauchte ihn in der Überschrift eines Projektantrags für eine mehrwöchige Konferenz, die im Jahr 1956 im Dartmonth College in den USA stattfand. Bei dieser Veranstaltung stellte man Programme vor, die Schach und Dame spielten, Theoreme bewiesen sowie Texte interpretierten … 1950 schrieb der britischer Mathematiker A.M. Turing (1912-1954) den für die KI entscheidenden Aufsatz „Computing Machinery and Intelligence“. Er stellt darin die Frage, wie man feststellen könne, ob ein Programm intelligent sei. Intelligenz definiert er dabei als „die Reaktion eines intelligenten Wesens auf die ihm gestellten Fragen“. Dieses Verhalten kann durch einen Test, den inzwischen bekannten Turing-Test festgestellt werden. Eine Testperson kommuniziert über ein Computerterminal mit zwei ihr nicht sichtbaren Partnern, einem Programm und einem Menschen. Kann die Testperson bei dieser Kommunikation nicht zwischen Menschen und Programm unterscheiden, wird das Programm als intelligent bezeichnet. Die dabei gestellten Fragen können aus einem beliebigen Gebiet stammen; wird das Gebiet jedoch eingeschränkt, so spricht man von einem eingeschränkten Turing-Test. Ein eingeschränktes Gebiet könnte z.B. medizinische Diagnose oder das Schachspielen sein.« In dem Text findet man diese beiden Beispiele: »In Stanley Kubrick’s (1928-1999) Science-Fiction-Film von 1968, „2001: A Space Odyssey“, wurde ein Computer vorgestellt, der die Ziele der KI veranschaulichte: Er trug den Namen HAL (Abk. von heuristische Algorithmen), erkannte gesprochene Sprache, führte Dialoge, spielte Schach und löste Planungsaufgaben. Dies war die Vorstellung von einem Computer, der den Turing-Test mühelos bestehen konnte. Der eingeschränkte Turing-Test wurde am 11. Mai 1997 durch ein schachspielendes Programm bestanden. Das von IBM entwickelte Programm Deep Blue schlug den Schach-Weltmeister Garry Kasparow 3.5-2.5 in sechs Partien.«