Ein weiterer Schritt in der sich beschleunigenden Entwicklung humanoider Roboter am Beispiel von Neura Robotics. Und warum man auch hier auf China schauen sollte

In meinem letzten Blog-Beitrag Immer in Bewegung. Neueste Entwicklungen in der Welt der KI-Ökonomie: „Physical AI“ ging es bei der Erläuterung, was es mit diesem Physical AI auf sich hat, auch um das Beispiel der Entwicklung humanoider Roboter. Dabei wurde ein in Deutschland ansässiges Unternehmen erwähnt: Neura Robotics in Metzingen.

Das Modell 4NE1 von NEURA Robtics

»Gleichzeitig präsentierte Neura Robotics aus Metzingen die neue Generation seines humanoiden Roboters 4NE1, der in industriellen Umgebungen Materialien handhaben und Fertigungsaufgaben übernehmen soll.« So einer der Passagen aus dem Beitrag.

➔ „NEURA Robotics ist ein deutsches Hightech-Unternehmen, das 2019 von David Reger in Metzingen bei Stuttgart mit dem Ziel gegründet wurde, die Welt der Robotik zu revolutionieren“, so das Unternehmen in der Selbstdarstellung. Schon vor genau einem Jahr, am 17. Januar 2025, gab es im Handelsblatt diese Meldung: Investoren stecken 120 Millionen Euro in Neura Robotics: »Das Roboter-Start-up aus Metzingen hat Aufträge über eine Milliarde Euro in den Büchern. Mit der Finanzspritze wollen die Schwaben die Marktführer aus den USA und China angreifen.« Interessant: 2024 hat sich der Gründer des Metzinger Roboter-Start-ups, David Reger, endgültig auf Deutschland festgelegt. Reger hat die Produktion seiner durch Künstliche Intelligenz (KI) gestützten Roboter, die viele menschliche Aufgaben übernehmen, nahezu komplett von China in die Bundesrepublik verlagert.

Von Bosch-Mitarbeitern in Sensoranzügen rein in Kopf und Arme der Roboter

Dazu ein Nachtrag aus einem Artikel, der am 15. Januar 2026 im Handelsblatt veröffentlicht wurde: „Bosch und Neura Robotics vereinbaren Kooperation“, so ist der Beitrag von Axel Höpner überschrieben. Eine passende Ergänzung zu meinem letzten Beitrag. Ich zitiere aus dem Artikel:

»Weltweit entwickeln derzeit zahlreiche Unternehmen humanoide Roboter. Auch wenn etwa die menschliche Hand schwer nachzuahmen ist, ist die Maschine selbst dabei gar nicht das größte Problem. „Die Hardware bekommt jeder irgendwann in den Griff. Entscheidend ist das Gehirn dahinter“, sagte Neura-Robotics-CEO David Reger dem Handelsblatt.

Noch fehlen den Entwicklern vor allem echte Daten aus den Fabriken, um die Roboter zu trainieren. Neura Robotics, neben Agile Robots einer der ambitioniertesten Spieler in Deutschland auf diesem Gebiet, geht nun gemeinsam mit Bosch einen ungewöhnlichen Weg: Die beiden Unternehmen wollen mithilfe von Sensoranzügen, die Mitarbeiter tragen, in Bosch-Werken reale Arbeits-, Bewegungs- und Umgebungsdaten sammeln.

Neura kann die so gewonnenen Erkenntnisse zum Beispiel mit Daten aus seinen Neura Gyms kombinieren, in denen die Roboter trainiert werden. „Das kann uns weltweit in eine Poleposition bringen“, sagt Reger. Neura habe schon jetzt einen Vorsprung vor vielen Konkurrenten.«

Da wächst was zusammen:

»Im Rahmen der neuen Partnerschaft wollen Neura Robotics und Bosch mithilfe der gewonnenen Daten auch gemeinsam auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierte Software für humanoide Roboter entwickeln. „Bosch ist mit seinen 300 Fabriken weltweit sehr breit aufgestellt“, sagt Reger.

Bosch hat eigens eine Robert Bosch Robotics GmbH gegründet, um die Möglichkeiten der humanoiden Robotik stärker zu nutzen. Ziel der Zusammenarbeit mit Neura sei es, „die industrielle Skalierung von humanoider Robotik voranzutreiben und das Zukunftsfeld weiterzuentwickeln“ … Außer der gemeinsamen Entwicklung von Software sowie der Sammlung von Daten zu Bewegungsmustern im Produktionsablauf umfasse die Zusammenarbeit auch die potenzielle Zulieferung von Robotik-Komponenten durch Bosch und eine mögliche Endmontage und Motorenfertigung.«

„Man kann Schwimmen nicht nur mithilfe eines Videos trainieren“

»Teilweise lassen sich humanoide Roboter inzwischen auch mit Simulationen, sogenanntem synthetischen Training, anlernen. Doch das hat seine Grenzen … Das Muskelgedächtnis müsse in der Praxis geschult werden. Auch Roboter könnten entsprechend nicht nur synthetisch trainiert werden.«

Über Bosch hinaus

»Neura hat nach eigenen Angaben bereits einen Auftragsbestand von einer Milliarde Euro. Allein der Autozulieferer Schaeffler will bis 2035 eine mittlere vierstellige Zahl der Neura-Roboter in sein Produktionsnetzwerk integrieren. Auch bei Schaeffler sollen Daten gesammelt werden, damit die Maschinen ständig dazulernen.«

Das Unternehmen setzt auf durchgängige Vernetzung und hat dafür die Plattform Neuraverse entwickelt. Die humanoiden Roboter sollen nicht isoliert lernen, sondern Teil eines Netzwerks sein, in dem im Sinne einer Schwarmintelligenz Fähigkeiten und Daten geteilt werden.

Vorreiter im Bereich der humanoiden Roboter ist die Automobilindustrie, doch auch Anwendungen in der Lagerhaltung und Fertigung rücken weltweit in den Fokus, so der Robotik-Weltverband IFR. Aber: Die Maschinen müssten nun ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen. Im Wettbewerb mit der traditionellen Automatisierung müssen humanoide Roboter den hohen industriellen Anforderungen in Bezug auf Zykluszeiten, Energieverbrauch und Wartungskosten gerecht werden.Auch Analysten und Investoren wollen endlich konkrete Anwendungen sehen. In den vergangenen beiden Jahren habe es immer wieder gut inszenierte Demonstrationsfilme gegeben. Es gebe zwar große Fortschritte, doch seien die meisten Roboter in Produktionsumgebungen noch immer eng vorprogrammiert und führten feste Routinen aus. Gerade in der Fertigung müssten die Produktionssysteme eine Zuverlässigkeit von mehr als 99,9 Prozent haben.

Damit hier kein Missverständnis entsteht: Neura Robotics ist nicht allein.

»Neura Robotics hat … mehrere Konkurrenten. So führt etwa Elon Musk gerne seine „Optimus“-Roboter vor und schwärmt von gigantischen Einsatzmöglichkeiten.

In Deutschland ist vor allem Agile Robots aktiv: Der „Agile One“ geht in diesem Jahr in die Serienfertigung. Die Maschine wird mit der Agile-Hand ausgerüstet, die als eine der am weitesten entwickelten Roboterhände in der Industrie gilt. Agile will die ersten Roboter in den eigenen Fabriken einsetzen. Ein Grund auch hier: Auf diesem Weg können am einfachsten Daten für das weitere Training gewonnen werden. Agile betreibt zudem sogenannte Datenfarmen, in denen die Roboter angelernt werden.«

Übrigens – das folgende Bild mit einem möglichen Einsatzgebiet der humanoiden Roboter von Neura Robotics (hier das Modell 4NE1) werden bei dem einen oder anderen die Herzen höher schlagen lassen – das sind mal wahrhaft entlastende Perspektiven für uns zu Hause:

Auf alle Fälle: Vor dem Hintergrund der vielen eher negativen Aspekte, mit denen Sie in der Vorlesung hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation (Rezession und Stagnation) bis hin zu den Hinweisen auf eine Deindustrialisierung konfrontiert wurden, ist es doch mal eine positive Nachricht, dass auch in Deutschland ein solches Unternehmen mitzuspielen versucht.

Und was hat das nun mit China zu tun?

Sie sind in der VWL-Veranstaltung an vielen Stellen immer wieder mit China konfrontiert worden. Und vor dem Hintergrund der ambitionierten Wachstumsstrategie der Chinesen vor allem in den High Tech-Bereichen wird es die meisten nicht überraschen, dass die auch beim Thema humanoide Roboter ganz vorne dabei sind.

Aber nicht nur bei den Robotern. Dazu empfehle ich die Investition von 22 Minuten in die folgende ZDF-Reportage:

Auslandsjournal (ZDF): Made in China – Wie Xi mit Robotern die Welt erobert (16.04.2025)
Chinesischer High-Tech dominiert weltweit. Sei es KI, Robotik, oder Elektromobilität – in unzähligen Zukunftstechnologien ist die Volksrepublik führend oder hat einen Vorsprung. 
Video auf YouTube (22 Minuten)