China, immer dieses gar nicht so einfache China. Ein paar ergänzende Literaturempfehlungen für die Interessierten

Ich hoffe, dass Ihnen mit der Behandlung der chinesischen Immobilienkrise deutlich geworden ist, dass es nicht nur dieses beeindruckende und viele auch erdrückende chinesische „Erfolgsmodell“ gibt, das sich nicht nur in einer Überflutung des Globus mit immer mehr und immer besseren chinesischen Exportprodukten zeigt, sondern auch an dem scheinbar unaufhaltsamen technologischen Aufstieg bzw. Verselbstständigung der chinesischen Volkswirtschaft. Es gibt eben auch eine ganze Reihe an „Schattenseiten“ des chinesischen Modells, die vor allem viele Menschen in China erfahren müssen.

Auf alle Fälle wird das Thema Sie begleiten, lange Jahre nach der wegweisenden und legendären VWL-Vorlesung bei mir. Da kann es hilfreich sein, einen Blick hinter die Kulissen und einen tieferen Blick in das zu werfen, was als China immer so scheinbar homogen aufgerufen wird.

Ich hatte in diesem Zusammenhang in der heutigen Vorlesung auf ein wirklich interessantes und hilfreiches Materialbeschaffungsangebot hingewiesen, wo Sie sich zu einer Vielzahl an Themen mit neuester Lektüre wirklich kostengünstig eindecken können (zugleich sind ja richtige, also gedruckte Bücher auch eine Zierde für die Behausungen von Akademikern).

Die Bundeszentrale für politische Bildung gibt ständig neue oder vor kurzem in anderen Verlagen veröffentlichte Bücher heraus, die man da gegen eine geringe Schutzgebühr (meistens 5 Euro) bestellen kann. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf ein neues Buch hinweisen:

➔ Felix Lee und Finn Mayer-Kuckuk (2025): China. Auswege aus einem Dilemma, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 2025

Aus der Buchbeschreibung: »Spätestens seit dem russischen Angriffskrieg gegen die gesamte Ukraine im Februar 2022 wird auch das Verhältnis Deutschlands zu China kritisch diskutiert: Sind die ökonomischen Abhängigkeiten, die sich in den vergangenen Jahrzehnten gegenüber der Volksrepublik herausgebildet haben, eine Gefahr? Die Journalisten Felix Lee und Finn Mayer-Kuckuk legen dar, wie Unternehmen aus Deutschland maßgeblich zum wirtschaftlichen Aufstieg Chinas beitrugen, massiv von diesem profitierten – und dabei vielfach verkannten, wie China sich vom Nachzügler zur ökonomisch-technologischen Großmacht entwickelte.
Die Autoren beschreiben die Strategien sowie das zunehmend machtbewusste Auftreten der chinesischen Führung, die ihren Anspruch auf Technologieführerschaft gezielt verfolge und international durchzusetzen versuche, etwa durch die Sicherung von Schlüsselindustrien und wichtigen Positionen in Rohstoff- und Güterlieferketten. Lee und Mayer-Kuckuk argumentieren, dass Deutschland und Europa dringend eigenständige Antworten auf die damit verbundenen Herausforderungen erarbeiten müssten. Sie fordern eine umfassende industriepolitische Strategie, welche Investitionen in Schlüsselbranchen, den Ausbau notwendiger – auch digitaler – Infrastruktur sowie die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte ermöglichen solle. Dabei, so betonen sie, gehe es keineswegs um eine Entkopplung oder eine Isolierung Chinas – sondern darum, sich dem Wettbewerb zu stellen, konsequent eigene Interessen zu vertreten und offen für Dialog und Kooperation zu bleiben.«

Und der Wirtschaftsjournalist Felix Lee ist ein wirklich profunder Kenner Chinas und der ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklung. Und seine eigene Familiengeschichte ist verbunden mit dem Aufstieg dessen, dessen was wir heute als zweit- bzw. größte Volkswirtschaft der Welt diskutieren. Das hat er in diesem 2024 veröffentlichten Buch, das man ebenfalls bei der Bundeszentrale für politische Bildung bestellen kann, niedergeschrieben. Ein lesenswerter Zugang zu dem Thema:

➔ Felix Lee (2024): China, mein Vater und ich. Über den Aufstieg einer Supermacht und was Familie Lee aus Wolfsburg damit zu tun hat, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 2024

Aus der Buchbeschreibung: »Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas ab den 1970er-Jahren folgte nicht zuletzt den Entscheidungen und Ideen einzelner Menschen. So wurde der Ingenieur Wenpo Lee, der der erste chinesische Mitarbeiter bei Volkswagen in Wolfsburg war und dort die Forschungsabteilung leitete, spontan als Übersetzer zu einem Treffen des VW-Vorstands mit Mitgliedern der chinesischen Regierung gerufen.
Ab diesem Zeitpunkt nahm er an wichtigen Weichenstellungen der deutsch-chinesischen Firmenkooperation teil und hatte auch entscheidend an ihnen mitgewirkt. Sein Schicksal, das ihn als Jungen aus der Bürgerkriegsregion Nanjing zusammen mit der von den Truppen Mao Tse-tungs besiegten Kuomintang-Regierung um General Chiang Kai-shek zunächst nach Taiwan und später nach Deutschland führte, gibt einen persönlichen Einblick in die jüngere Geschichte Chinas, nachgezeichnet von seinem Sohn, dem Wirtschaftsjournalisten Felix Lee.
Er beschreibt die Entwicklung des Landes von einer rückständigen, von Krieg, Armut und Unterdrückung geprägten, isolierten Volkswirtschaft hin zu einer sehr modernen, wieder in das Weltgeschehen eingreifenden Supermacht mit völlig veränderten Möglichkeiten der Überwachung – und mit weitreichenden Zielen hinsichtlich Mobilität und Welthandel.«

Und wer es nun vollständig kostenlos und zudem ohne Abholzung irgendwelcher Bäume für die Papierproduktion, also rein digital, haben möchte, der würde fündig werden bei unseren E-Book-Angeboten, die Sie im Hochschulnetz abrufen können.

Da ist auch was für diejenigen unter Ihnen dabei, die das Thema lieber „handfest“ angehen, also mit Blick auf die Frage, was das ganze Durcheinander mit China und den USA nun in den Unternehmen bedeutet oder bedeuten kann. Dazu gib tes beispielsweise diese neue Veröffentlichung:

➔ Frank Borowicz (2025): Unternehmen im Konflikt zwischen USA und China. Strategisches Risikomanagement für Unternehmen in geopolitischen Zeiten; Wiesbaden 2025

»Im Rahmen ihres Risikomanagements setzen sich deutsche Unternehmen konkret mit China-Risiken auseinander. Dieses Buch bietet Hilfestellung und betrachtet folgende Fragen: Wie könnten sich die Spannungen mit China entwickeln und welche Risiken entstehen? Wie können China-Risiken identifiziert und analysiert werden? Welche strategischen und operativen Anpassungen sind möglich und nötig? Fallbeispiele zeigen auf, welche Risiken deutsche Unternehmen haben und wie sie darauf reagieren.«

Und Sie würden jetzt noch eine Menge mehr an interessanten Büchern finden können – wenn Sie selbst ein wenig stöbern auf der Plattform.

Und für die tägliche Zufuhr an (offiziellen) China-Informationen und Sichtweisen?

Dafür gibt es die englischsprachige Ausgabe der chinesischen Volkszeitung. Die Global Times. Man sollte wissen: Die Global Times wird als Sprachrohr der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) und als nationales Propagandablatt eingestuft, sie ist bekannt für stark nationalistische Berichterstattung. Sie gehört zur People’s Daily Press, dem Medienhaus der KPCh, und ist somit direkt der Partei unterstellt und repräsentiert deren offizielle Linie. Es handelt sich um ein wichtiges Medium, um die offizielle Linie der chinesischen Regierung zu verstehen, man muss das aber entsprechend einbetten.