Der Internationale Währungsfonds macht etwas Hoffnung und warnt zugleich. Vor der wachsenden Staatsverschuldung

Das sind doch mal positive Nachrichten: »Der Internationale Währungsfonds blickt optimistischer auf Deutschlands Wirtschaft: 2026 dürfte das Wachstum mit 1,3 Prozent fast doppelt so stark ausfallen wie noch im Juli erwartet. Auch für die Weltwirtschaft sieht es rosiger aus«, kann man der Meldung IWF hebt Prognose für deutsche Wirtschaft deutlich an entnehmen. Das geht aus dem gerade veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick des IWF hervor:

➔ International Monetary Fund (2026): World Economic Outlook. Resilience Under Strain, Urgent Choices, Washington, DC, October 2026

Damit entspricht die IWF-Prognose den Zahlen, die Sie aus dem Herbstgutachten 2026 der Wirtschaftsforschungsinstitute und der Herbstprojektion der Bundesregierung kennen.

Die Industrieländer hätten sich angesichts der seit dem Irankrieg gestiegenen Energiepreise widerstandsfähig gezeigt, erklärte der IWF. Viele dieser Staaten hätten von steigenden Investitionen in die künstliche Intelligenz (KI) profitiert.

Man wartet bei so viel positiven Nachrichten auf das „Aber“. Lesen wir also weiter:

»Ärmere Länder, die aus diesem Boom keinen Nutzen zögen, stünden angesichts der Energiepreise jedoch vor schweren Entscheidungen, hieß es. Daher sprach der Währungsfonds in seinem Bericht von einem »zweigeteilten« Ausblick. Der Krieg in Iran zum einen und der KI-Boom zum anderen hätten zu einer »fragmentierten« Weltwirtschaft geführt.«

Und dann diese Staatsschulden

Neben den konjunkturellen Lichtblicken hebt der IWF aber ein ganz anderes Problem besonders hervor: die wachsende, globale Staatsverschuldung.

»Der Internationale Währungsfonds fordert Industrieländer auf, ihre Haushaltsdefizite zu verringern und Schulden abzubauen. Steigende Zinsen und hohe Ausgaben schränkten den finanziellen Spielraum der Staaten zunehmend ein«, so dieser Artikel: IWF warnt vor steigenden Staatsschulden. »Angesichts wachsender Schulden und steigender Finanzierungskosten sieht der Internationale Währungsfonds (IWF) dringenden Handlungsbedarf bei den Industrieländern. Bei seiner Herbsttagung in Bangkok appellierte der Fonds … an die politisch Verantwortlichen, die Regierungen müssten ihre Ausgaben anpassen und ihre finanzielle Belastung langfristig reduzieren. Je länger sie damit warteten, desto schwieriger würden die notwendigen Korrekturen.«

Ins Visier genommen werden vor allem die USA:

»Besonders angespannt ist die Lage in den USA. Die Staatsverschuldung hat in diesem Jahr die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Eine Trendwende ist nach den Prognosen des IWF nicht in Sicht. Bis 2030 könnte der Schuldenstand auf mehr als 52 Billionen Dollar steigen.
IWF-Chefin Kristalina Georgiewa zufolge können die USA ihr Schuldenproblem nicht allein durch Wirtschaftswachstum lösen. Um die Verschuldung auf einen nachhaltigeren Pfad zu bringen, seien weitere Anpassungen notwendig. US-Finanzminister Scott Bessent erkenne an, dass sowohl das Haushaltsdefizit als auch die Gesamtverschuldung zu hoch seien, sagte Georgiewa. Wachstum helfe zwar, reiche aber nicht aus.«

»Angesichts der anhaltenden Inflation und steigender Renditen für Staatsanleihen sei es dringend nötig, die Haushalte in Ordnung zu bringen. Höhere Renditen verteuern es für die Staaten, neue Schulden am Kapitalmarkt aufzunehmen«, so Rodrigo Valdes vm IWF.

Aber es sind nicht nur die USA:

»Zugleich wächst der finanzielle Druck auch in anderen Ländern. Nach Angaben des IWF steuert die durchschnittliche Staatsverschuldung weltweit auf 100 Prozent der Wirtschaftsleistung zu. Damit würde sie den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg erreichen.«

Hohe Ölpreise, eine hartnäckige Inflation und ein stärker als erwartet ausgefallener Investitionsbedarf im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) hätten in den vergangenen Monaten zu einem deutlichen Anstieg der langfristigen Anleiherenditen beigetragen. Die durchschnittliche Rendite zehnjähriger Staatsanleihen der G7-Staaten sei zwischen Februar und September um mehr als 110 Basispunkte1 gestiegen und habe damit den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten erreicht.

Und neben den USA wird ein weiteres Land explizit erwähnt, mit dem wir uns beschäftigen müssen: Frankreich.

»Im Fokus steht auch Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Die Staatsverschuldung liegt dort bei rund 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – was ein erheblich höheres Niveau ist als in Deutschland. Die französische Regierung will im kommenden Jahr 43 Milliarden Euro einsparen. Ob sich der Haushaltsentwurf für 2027 durchsetzen lässt, ist allerdings offen. Bereits jetzt protestieren Tausende Menschen gegen die geplanten Kürzungen.«

Und Deutschland?

»Auch Deutschland will die Staatsausgaben erhöhen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat für 2027 einen Haushalt von rund 555 Milliarden Euro vorgelegt. Die Neuverschuldung soll einschließlich der Kredite für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz rund 204 Milliarden Euro betragen. Während die Bundesregierung unter anderem Investitionen in Infrastruktur und Sicherheit finanzieren will, sind zugleich Einsparungen etwa bei Sozialleistungen, Entwicklungshilfe und Klimaschutz vorgesehen.«

Der IWF warnt ausdrücklich vor den Folgen der wachsenden Staatsverschuldung bei der damit verbundenen Zinslast

»Wie teuer die wachsende Verschuldung werden kann, zeigen die Prognosen des IWF. Die durchschnittlichen Finanzierungskosten der Staaten dürften von 2,3 Prozent im Jahr 2021 auf 3,7 Prozent bis 2031 steigen. In den USA könnten die Zinszahlungen dann 5,3 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen, in etwa so viel wie die Ausgaben für die Sozialversicherung.In ärmeren Ländern ist die Belastung bereits heute besonders hoch. Dort fließen inzwischen mehr als 15 Prozent der Steuereinnahmen in den Schuldendienst. Zwischen 2011 und 2019 lag der Durchschnitt noch bei rund neun Prozent.«

Die Thematik wurde auch in einem Beitrag im Rahmen der Sendung „Wirtschaft vor acht“ (ARD) aufgegriffen. Bitte das Video anschauen und anören:

➔ ARD: Verschuldung droht Staaten zu lähmen (16.10.2026)
Die Spirale aus Schulden, steigender Zinslast und zusätzlicher Schulden dreht sich weiter. Die Verschuldung vieler Staaten steigt auf Rekordniveau. Der IWF mahnt, ohne Sparkurs verlören Regierungen ihren Handlungsspielraum.
  1. Es geht hier um prozentuale Veränderungen. Ein Basispunkt entspricht genau 0,01 Prozentpunkten (also einem Hundertstel eines Prozents). Das bedeutet, dass ein Anstieg der Rendite um 1 % als ein Anstieg um 100 Basispunkte ausgedrückt wird – um sehr klein daherkommende prozentuale Veränderungen deutlicher auszudrücken. ↩︎